Wikingerschiffe: Langschiff, Knorr und die Schiffe aus den Gräbern
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- Wikingerschiffe auf einen Blick: die wichtigsten Fakten
- Was war ein Wikingerschiff?
- Typen von Wikingerschiffen und ihre altnordischen Namen
- Drachenschiffe und Drachenboote: Hatten Wikingerschiffe Drachenköpfe?
- Wie wurden Wikingerschiffe gebaut?
- Wie groß und wie schnell waren Wikingerschiffe? Die wichtigsten Funde im Vergleich
- Die großen Wikingerschiffsfunde und wo du sie 2026 sehen kannst
- Schiffsbestattungen der Wikinger: Oseberg, Gokstad, Ladby und Salme
- Wie navigierten die Wikinger?
- Schiffe im nordischen Mythos: Skíðblaðnir, Naglfar und Hringhorni
- Schiffe auf Bildsteinen und Schiffssetzungen
- Mythen über Wikingerschiffe: Schilde, Drachen und die Serie Vikings
- Häufige Fragen
- Quellen und redaktionelle Hinweise
Wikingerschiffe waren Holzschiffe in Klinkerbauweise: Ihre Planken aus Eiche oder Kiefer überlappten sich und wurden mit eisernen Nieten verbunden. Angetrieben wurden sie von Riemen und einem einzigen Rahsegel, gesteuert mit einem Seitenruder an der rechten Seite, an Steuerbord. Sie reichten von rund 11 Meter langen Fischerbooten bis zu Kriegsschiffen von mehr als 30 Metern, und die Nordleute unterschieden Langschiffe (langskip) für den Krieg von breiteren Frachtschiffen wie dem knörr (Knorr) und dem byrðingr.
Dieser Leitfaden geht von den Schiffen aus, die erhalten sind: den Grabschiffen von Oseberg, Gokstad und Ladby, den fünf Wracks von Skuldelev bei Roskilde, den Kriegsschiffen von Haithabu (Hedeby) und Roskilde 6. Jede Angabe zu Größe, Besatzung und Geschwindigkeit stammt von einem benannten Fund, aus einer Museumsquelle oder von einer Fahrt mit einem Nachbau; die Sagazitate stammen aus gemeinfreien Übersetzungen.
- Eine einzige Bauweise: überlappende Planken, eiserne Niete, ein Rahsegel, ein Seitenruder an Steuerbord.
- Langschiff oder Knorr: lang und schmal, mit vielen Riemen, für den Krieg; breit und tief, mit wenigen Riemen, für die Fracht. Snekkja, skeið und dreki sind in den Sagas Klassen von Langschiffen; keinem ausgegrabenen Schiff lässt sich einer dieser Namen zuordnen.
- „Drakkar“ ist kein Altnordisch: Das Wort ist französisch, zuerst 1840 belegt, und geht auf schwedisch drakar, „Drachen“, zurück.
- Das längste bekannte Schiff: Roskilde 6, rund 36 Meter. Der Nachbau des 30 Meter langen Skuldelev 2 kostete 27.000 Arbeitsstunden.
Wikingerschiffe auf einen Blick: die wichtigsten Fakten
| Frage | Kurze Antwort |
|---|---|
| Was sie waren | Offene Schiffe in Klinkerbauweise für Riemen und Segel, die Schiffe der Wikingerzeit (spätes 8. bis 11. Jahrhundert). |
| Haupttypen | Langschiffe (langskip), nach Größe und Rang benannt: karfi, snekkja, skeið, dreki. Frachtschiffe: knörr (Knorr), byrðingr. |
| Material | Gespaltene Eiche (in Westnorwegen Kiefer), eiserne Niete, Teer; Segel aus Wolle oder Flachs. |
| Größe | Von 11,2 m (Skuldelev 6, ein Fischerboot) bis rund 36 m (Roskilde 6, das Kriegsschiff eines Königs oder Jarls). Die berühmten Grabschiffe: Oseberg 21,5 m, Gokstad 23 m. |
| Besatzung | 5–8 Mann auf dem Handelsschiff Skuldelev 3; 65–70 auf dem Langschiff Skuldelev 2; wahrscheinlich 78 Ruderer auf Roskilde 6. |
| Geschwindigkeit | Schätzungen der Museen: unter Segel im Schnitt 4–8 Knoten (7–15 km/h); Höchstgeschwindigkeiten von 8–10 Knoten bei einem kleinen Handelsschiff bis 15–17 Knoten (28–31 km/h) bei Langschiffen. Ganze Reisen verliefen viel langsamer. |
| Bekannteste Funde | Oseberg, Gokstad und Tune (Museum der Wikingerzeit, Oslo, geschlossen bis zur geplanten Eröffnung Ende 2027); die fünf Skuldelev-Schiffe (Wikingerschiffsmuseum Roskilde); Haithabu 1 (Wikinger Museum Haithabu, Deutschland); Roskilde 6, das längste bekannte. |
Was war ein Wikingerschiff?
Ein Wikingerschiff war in Klinkerbauweise gebaut: Jede Planke (jeder Plankengang) überlappte die darunterliegende und war mit ihr vernietet, und im Inneren versteiften Spanten und Querbalken den Rumpf. Die Technik war Jahrhunderte älter als die Wikinger. Wie das Wikingerschiffsmuseum Roskilde erklärt, wirken die Überlappungen als Längsversteifung, sodass die Spanten weit auseinanderstehen können und der Rumpf leicht bleibt; zudem wurden die Planken entlang der Faser gespalten statt gesägt, was auch dünne Bretter fest machte.
Neu war das Segel. Das Nydam-Schiff, um 310–320 n. Chr. gebaut, war ein großes Ruderboot ohne Mast. Das größere Schiff von Salme in Estland, um 750, hatte einen Kiel, und sein Ausgräber Jüri Peets deutete Spuren mittschiffs als Reste von Mast und Segel. Das Oseberg-Schiff aus den 820er-Jahren war für beides gebaut. Ein Wikingerschiff war ein Zwitter: das Segel für weite Strecken, die Riemen für Flaute, Häfen und Kampf.
Typen von Wikingerschiffen und ihre altnordischen Namen
Die Namen stammen aus Texten, vor allem aus den Sagas; die Definitionen unten folgen dem Icelandic-English Dictionary von Cleasby und Vigfússon (1874). Kein ausgegrabenes Schiff trägt ein Namensschild, die Zuordnung von Namen zu Funden ist also ein modernes Unterfangen. Ein verbreiteter englischer Name, im Deutschen oft als „Langboot“ nachgeahmt, ist schlicht falsch: Ein „longboat“ ist das größte Beiboot, das ein späteres Segelschiff an Bord mitführte, in dieser Bedeutung ab dem 16. Jahrhundert weit verbreitet. Das Kriegsschiff der Wikinger war das Langschiff, langskip.
| Altnordischer Name | Andere Schreibweisen | Bedeutung | Passende Funde |
|---|---|---|---|
| langskip | Langschiff (nicht „Langboot“) | Ein Kriegsschiff, lang und schmal, für Riemen und Segel | Skuldelev 2 und 5, Haithabu 1, Roskilde 6 |
| karfi | karve, karvi | „schnell fahrendes Schiff mit sechs, zwölf oder sechzehn Ruderern auf jeder Seite, bes. auf Seen und in Buchten gebraucht“; ein Lehnwort (vgl. byzantinisch-griechisch karabos) | Keines lässt sich sicher benennen |
| snekkja | snekke | „eine Art schnell segelndes Schiff, zur Gattung der langskip gehörig“, oft mit zwanzig oder dreißig Räumen | Keines lässt sich sicher benennen |
| skeið | skeid | ein schnelles Kriegsschiff „der Klasse langskip, aber vom dreki unterschieden“ | Keines lässt sich sicher benennen |
| dreki | Plural drekar; „Drakkar“ ist französisch | „besonders von Kriegsschiffen gebraucht, die einen Drachenkopf als Schnabel trugen“ | Keines benannt; die Eisenbeschläge von Ladby bildeten wahrscheinlich Kopf und Schwanz eines Drachen |
| knörr | knarr, knorr | „eine Art Handelsschiff, im Gegensatz zum langskip“ | Skuldelev 1 (Nachbau: Ottar) |
| byrðingr | byrding | „ein Lastschiff, Handelsschiff“, das einheimische skandinavische Wort | Keines lässt sich sicher benennen |
| búza | busse, buss | „eine Art Handelsschiff“, zuerst 1251 belegt, nach der Wikingerzeit | Keines |
Was ist ein Langschiff? Langskip, karfi, snekkja, skeið und dreki
Die Sagas bemessen ein Kriegsschiff nach seinen rúm, „Räumen“, den Abschnitten zwischen den Ruderbänken, in denen je ein Paar Ruderer saß. In Snorris Saga von Olaf Tryggvason „war“ der Kranich „eine snekkja“ mit „dreißig Ruderbänken“, „hoch an Vor- und Achtersteven, aber nicht breit“ (Kapitel 79, Übers. Laing). Olafs Schwager Erling bringt skeið hina miklu mit, „die große skeið“, mit dreißig Räumen (Kapitel 105 im altnordischen Text, 106 bei Laing).
Die Klassen überschnitten sich: Das Wörterbuch vermerkt, dass eine Strophe skeið sagen kann, wo die Prosa snekkja sagt. Ein dreki, „Drache“, war weniger ein Rumpftyp als ein Zeichen des Ranges; in den Sagas gehört er einem König oder großen Häuptling.
Knorr (knörr, knarr) und byrðingr: die Frachtschiffe der Wikinger
Thomas Ellwoods Landnámabók von 1898 erklärt knörr als „ein Handelsschiff, im Unterschied zum langskip“; die Rümpfe dazu liefert die Archäologie. Skuldelev 1, um 1030 in Westnorwegen aus Kiefer gebaut, ist ein tiefes, breites, hochseetüchtiges Handelsschiff mit Decks vorn und achtern und einem offenen Laderaum; sein Nachbau Ottar trägt rund 20 Tonnen unter einem Segel von 90 m² und hat vier Riemen zum Manövrieren im Hafen. Das Museum in Roskilde nennt Skuldelev 1 „den Typ hochseetüchtiger Schiffe, den die Wikinger Knorr nannten“. Skuldelev 3, ein 14 Meter langes Küstenhandelsschiff aus Eiche, trug 4,6 Tonnen bei fünf bis acht Mann Besatzung.
Langschiff oder Knorr: Was ist der Unterschied?
| Langschiff (Skuldelev 2) | Knorr (Skuldelev 1) | |
|---|---|---|
| Zweck | Krieg: Kämpfer schnell befördern | Handel: Fracht über das offene Meer befördern |
| Form | Rund 30 × 3,8 m (Nachbau): etwa achtmal so lang wie breit | 15,8 × 4,8 m (Nachbau): etwa dreimal so lang wie breit |
| Antrieb | 112 m² Segel und 60 Riemen | 90 m² Segel; vier Riemen zum Manövrieren |
| Besatzung | 65–70 | 6–15 |
| Holz | Eiche, um 1042 bei Dublin gebaut | Kiefer, um 1030 in Westnorwegen gebaut |
Drakkar oder dreki: Ist „Drakkar“ ein Wikingerwort?
Nein. Der Trésor de la langue française datiert das französische drakkar auf 1840, in Auguste Jals Archéologie navale, und leitet es vom schwedischen drakar ab, dem Plural von drake, „Drache“: ein französischer Singular, gebildet aus einem neuschwedischen Plural. Ein altnordisches Kompositum ist es nicht, was immer manche Websites behaupten. Das altnordische Wort war dreki, Plural drekar, und es bezeichnete ein prächtiges Kriegsschiff mit Drachenkopf, nicht jedes Wikingerschiff.
Drachenschiffe und Drachenboote: Hatten Wikingerschiffe Drachenköpfe?
Manche schon. Die bekannteste Beschreibung in den Sagas gilt dem Drachen, den Olaf Tryggvason Raud dem Starken abnahm, einem Häuptling in Nordnorwegen:
„Vorn hatte es einen Drachenkopf und achtern einen Bogen, der sich aufwärts krümmte und in der Gestalt eines Drachenschwanzes endete. Das Schnitzwerk zu beiden Seiten von Vor- und Achtersteven war vergoldet. Dieses Schiff nannte der König die Schlange. Waren die Segel gehisst, stellten sie gleichsam die Flügel des Drachen dar; und das Schiff war das schönste in ganz Norwegen.“
Snorri Sturluson, Óláfs saga Tryggvasonar, Kapitel 87, nach der englischen Übersetzung von Samuel Laing (1844)
Danach ließ Olaf eine größere Kopie bauen, Ormr inn langi, die Lange Schlange: „Die Länge des Kiels, der auf dem Gras auflag, betrug vierundsiebzig Ellen“, und „Die Lange Schlange hatte vierunddreißig Ruderbänke. Kopf und gebogener Schwanz waren beide vergoldet“ (Kapitel 95). Die Elle war kein festes Maß; das Museum in Roskilde rechnet Snorris Angaben auf „ganze 43 m“ um. Snorri schrieb rund 230 Jahre, nachdem das Schiff im Jahr 1000 bei Svolder gekämpft hatte; die Zahl ist also Überlieferung, keine Messung. Doch Roskilde 6, rund 36 Meter lang und eine Generation später gebaut, zeigt, dass es Schiffe dieser Größenordnung gab.
Die Funde sind bescheidener. Der Steven des Oseberg-Schiffs endet in einer geschnitzten, eingerollten Schlange; der Kopf am heutigen Schiff ist eine Nachbildung, und das Original blieb erhalten, weil Grabräuber es abhackten und tiefer in den Hügel warfen. In Ladby deutet das Museum in Roskilde kleine Eisenspiralen am Bug und ein mit Spitzen besetztes Eisenband am Heck als Verzierungen, „wahrscheinlich in Form eines Drachenkopfes beziehungsweise eines Drachenschwanzes“. Der Teppich von Bayeux, eine Stickerei des 11. Jahrhunderts über die normannische Eroberung Englands, zeigt viele Schiffe mit Tierköpfen am Steven.

Wie wurden Wikingerschiffe gebaut?
Planken, Niete und Kalfaterung
Die Schiffbauer setzten den Kiel und die beiden Steven auf und zogen die Beplankung Gang für Gang hoch, wobei sie jede Überlappung mit Eisen vernieteten. Die Saga von der Langen Schlange zeigt die Reihenfolge: Der Schiffbaumeister geht nach Hause, während „sie das Schiff beplankten“, und findet es bei seiner Rückkehr „auf beiden Seiten beplankt“ (Kapitel 95). Das Kriegsschiff von Haithabu zeigt das Können: Eichenplanken von über 10 Metern Länge, radial aus Stämmen von mehr als einem Meter Durchmesser gespalten und von ungewöhnlich kleinen, dicht gesetzten Nieten gehalten. Spanten, Querbalken und ein Kielschwein als Mastfuß versteiften die Schale. Die Nähte wurden kalfatert (für Gokstad verzeichnet Ingvald Undsets Führer von 1898 „dreifädiges Garn, aus Kuhhaar gesponnen“), und der Rumpf wurde geteert.
Das Seitenruder an Steuerbord
Wikingerschiffe hatten kein Heckruder am Achtersteven. Sie steuerten mit einem Seitenruder in Form eines Riemenblatts, das an der rechten Seite nahe dem Heck befestigt war und mit einer Pinne bedient wurde. Das Altnordische nannte diese Seite stjórnborði, die Steuerseite; daher das deutsche „Steuerbord“ (englisch „starboard“). Undset beschreibt das noch an seinem Platz sitzende Ruder von Gokstad:
„Diese Anbringung des Ruders als Steuerriemen an der Steuerbordseite des Schiffes ist überall die alte und ursprüngliche Art. Daher der Name ‚Steuerbord‘. Erst im späteren Mittelalter wurden die Ruder am Achtersteven angebracht.“
Ingvald Undset, A Short Guide for the Use of Visitors to the Viking-Ship from Gokstad (Kristiania, 1898), S. 9
Wie lange dauerte der Bau eines Wikingerschiffs?
Die beste Antwort liefert der Nachbau von Skuldelev 2 durch das Wikingerschiffsmuseum, gebaut 2000–2004 und auf den Namen Havhingsten fra Glendalough getauft, der Seehengst von Glendalough:
- 27.000 Arbeitsstunden für den Rumpf, geleistet von 15–20 Bootsbauern in vier Jahren; rund 40.000 Stunden einschließlich Teer, Eisenarbeiten, Tauwerk und Segel.
- Nach der vorläufigen Berechnung des Museums sieben Monate für einen Schiffbaumeister, zehn Bootsbauer „und eine große Mannschaft im Wald“.
- Material: 150 Kubikmeter Holz, darunter 14 Eichen für die Planken und 250 krumm gewachsene Eichenstücke für die Spanten; rund 400 kg Eisen; 8.000 Niete; 600 Liter Teer.
Wer diese Mittel zusammenrechnet, so das Museum, erhält „ein Bild der Machtstrukturen“ hinter einem Langschiff.
Das Segel: Wolle, Größe und Arbeitsaufwand
Kein vollständiges Wikingersegel ist erhalten; die Segelgröße wird daher aus den Rümpfen erschlossen, aus dem Gleichgewicht zwischen Rumpf, Segel und Ruder beim Segeln hart am Wind: 112 m² für den Seehengst, 90 m² für Ottar, 46 m² für das kleine Langschiff Skuldelev 5. Flachs ergibt ein leichtes Segel, ist aber mühsam zu verarbeiten und verrottet; Wolle ist schwerer, elastisch und haltbar.
Für Ottar webte das Museum ein Wollsegel in 2/1-Köperbindung nach einem archäologischen Fragment aus Trondenes in Norwegen. Die Wolle stammte von bis zu 200 norwegischen Spelsau-Schafen, rund 500 Gramm je Tier, und das Tuch wurde mit Ocker und Pferdefett eingerieben. Nach Schätzung des Museums konnten fünf Menschen das Tuch für Ottars Segel in einem Jahr spinnen und weben, und ein Segel hielt etwa 30–50 Jahre. Ein Segel für den Seehengst aus originalgetreuen Materialien würde rund 200 kg verarbeiteten Flachs oder verarbeitete Wolle erfordern.
Wie groß und wie schnell waren Wikingerschiffe? Die wichtigsten Funde im Vergleich
Die Angaben stammen von den Museen, die die Funde besitzen. Wo nur Niete erhalten blieben (Ladby, Salme), ist die Größe aus ihrer Anordnung rekonstruiert.
| Fund | Datierung | Länge × Breite | Riemen / Besatzung | Heutiger Standort |
|---|---|---|---|---|
| Hjortspring (Als, Dänemark) | 4.–3. Jahrhundert v. Chr. | Über 19 m; genähte Planken, kein Eisen | Gepaddelt | Dänisches Nationalmuseum, Kopenhagen |
| Nydam, Eichenschiff (Dänemark) | Gebaut 310–320 n. Chr. | 22,84 × 3,26 m | 15 Riemenpaare, kein Mast | Schloss Gottorf, Schleswig (Deutschland) |
| Salme II (Estland) | um 750 | ca. 17–17,5 × 3 m | Kiel; rund 30 Mann Besatzung (Schätzung) | Ausgegraben 2010–2012 |
| Oseberg (Norwegen) | Gebaut in den 820er-Jahren, bestattet 834 | 21,5 × 5 m | 15 Riemenlöcher je Seite; 32 Mann Besatzung | Museum der Wikingerzeit, Oslo |
| Gokstad (Norwegen) | Gebaut um 890, bestattet um 900 | 23 × ca. 5 m | 16 Riemenlöcher je Seite; bis zu 67 Mann Besatzung | Museum der Wikingerzeit, Oslo |
| Tune (Norwegen) | Bestattet um 910 | ca. 18,7 × 4,2 m | Rund 26 Mann | Museum der Wikingerzeit, Oslo |
| Ladby (Fünen, Dänemark) | Gebaut um 900, bestattet um 925 | Über 21,5 × knapp 3 m | 15–16 Riemenpaare | In seinem Grabhügel, Wikingermuseum Ladby |
| Haithabu 1 (Deutschland) | Gebaut um 985 | ca. 30,9 × 2,7 m | Wahrscheinlich 30 Riemenpaare | Wikinger Museum Haithabu |
| Skuldelev 1, Hochseehandelsschiff | um 1030 | 15,8 × 4,8 m (Nachbau) | 4 Riemen; 6–15 Mann Besatzung | Wikingerschiffsmuseum Roskilde |
| Skuldelev 2, großes Langschiff | um 1042, Dublin | ca. 30 × 3,8 m (Nachbau) | 60 Riemen; 65–70 Mann Besatzung | Wikingerschiffsmuseum Roskilde |
| Skuldelev 3, Küstenhandelsschiff | um 1040 | 14 × 3,3 m | 5 Riemenpforten; 5–8 Mann Besatzung | Wikingerschiffsmuseum Roskilde |
| Skuldelev 5, kleines Langschiff | um 1030 | 17,3 × 2,5 m | 26 Riemen; ca. 30 Mann Besatzung | Wikingerschiffsmuseum Roskilde |
| Skuldelev 6, Fischerboot | um 1030, Westnorwegen | 11,2 × 2,5 m | Anfangs 14 Riemen; 5–15 Mann Besatzung | Wikingerschiffsmuseum Roskilde |
| Roskilde 6, Kriegsschiff eines Königs oder Jarls | Gebaut nach 1025 (vorläufige dendrochronologische Datierung) | ca. 36 × ca. 3,7 m | Wahrscheinlich 78 Ruderer | 1997 im Hafen von Roskilde gefunden; die konservierten Hölzer wurden 2013–2015 in Kopenhagen, London und Berlin gezeigt |
Die Geschwindigkeiten sind Schätzungen. Das Museum in Roskilde gibt für seine Nachbauten im Schnitt 4–5 Knoten und in der Spitze 8–10 für das Handelsschiff Skuldelev 3 an, 6–7 und rund 15 für das kleine Langschiff Skuldelev 5, 6–8 und 17 für den Seehengst, der unter Riemen etwa 2,5 Knoten schafft. Nach Ansicht des Museums in Oslo „konnte“ Gokstad „wahrscheinlich Geschwindigkeiten von bis zu 11 Knoten erreichen“. Zur Höchstgeschwindigkeit des Seehengsts schrieb Erik Andersen, der seine Takelage rekonstruiert hat, 2007: „die richtige Antwort können wir noch nicht geben“.
Auf ganzen Reisen war man weit langsamer. 2003 erreichte Ottar auf 147 Seemeilen von Anholt nach Lyngør bei leichtem achterlichem Wind im Schnitt 4,5 Knoten, doch die gesamte Überfahrt vom nördlichen Seeland nach Ostnorwegen dauerte, weil man das Abflauen eines Gegenwinds abwarten musste, sieben Tage: 1,3 Knoten.
Fahrten mit Nachbauten: von der Viking (1893) bis zum Seehengst
- Viking (1893). Eine Kopie des Gokstad-Schiffs, in Sandefjord mit Geld aus einer öffentlichen Sammlung gebaut, überquerte unter Kapitän Magnus Andersen mit elf Mann, ausgewählt aus 280 Bewerbern, den Atlantik und erreichte im Juli 1893 die Weltausstellung in Chicago, die World’s Columbian Exposition. Die Friends of the Viking Ship bewahren sie im Good Templar Park in Geneva, Illinois, auf.
- Seehengst von Glendalough (2007–2008). Der Nachbau von Skuldelev 2 segelte vom 1. Juli bis 14. August 2007 über Orkney und Schottland von Roskilde nach Dublin, wo das Original gebaut worden war, und vom 29. Juni bis 9. August 2008 durch den Ärmelkanal zurück: nach den Worten des Museums sein ehrgeizigstes archäologisches Experiment.
- Saga Oseberg (2012). Eine erste Kopie des Oseberg-Schiffs sank 1987 auf ihrer Jungfernfahrt binnen 20 Sekunden. Bei einer Neuvermessung des Originals fanden Vibeke Bischoff, Geri Rørvik und Knut Paasche Hinweise darauf, dass es für die Ausstellung nicht ganz korrekt wieder zusammengesetzt worden war, was der ersten Kopie zum Verhängnis geworden sein könnte; die neue, 2012 in Tønsberg vom Stapel gelaufen, fuhr 2015 nach Roskilde.
- Draken Harald Hårfagre (moderner Bau). Ein 35 Meter langes Schiff, 2012 vom Stapel gelaufen, „kein Nachbau eines bekannten Schiffs“, sondern die Rekonstruktion eines „Großen Schiffs“ aus den Sagas (Mystic Seaport); es überquerte 2016 mit 32 Mann Besatzung den Atlantik.

Die großen Wikingerschiffsfunde und wo du sie 2026 sehen kannst
Vor den Wikingern: Hjortspring und Nydam
Das Hjortspring-Boot aus einem Moor auf der Insel Als ist das älteste in Skandinavien gefundene Plankenboot: ein Kriegskanu aus Lindenholzplanken, mit Bast vernäht, ganz ohne Metall. Eine Studie von 2025 (Universität Göteborg mit der Universität Lund) datierte sein Tauwerk auf 381–161 v. Chr. und fand Kiefernpech in seiner Abdichtung; da Kiefern damals in Dänemark selten waren, vermuten die Autoren, dass Boot und Besatzung von weiter östlich an der Ostsee kamen. Es ist im Dänischen Nationalmuseum in Kopenhagen ausgestellt. Das Nydam-Eichenschiff, 1863 ausgegraben, ist ein Ruderschiff in Klinkerbauweise ohne Mast und Segel, 310–320 n. Chr. gebaut und als Kriegsbeute im Moor versenkt; Dänemark verlor es nach dem Krieg von 1864, und heute steht es auf Schloss Gottorf in Schleswig.
Das Oseberg-Schiff, das Gokstad-Schiff und Tune: die Schiffe von Oslo
Die drei norwegischen Grabschiffe wurden aus Grabhügeln geborgen: Tune 1867, Gokstad 1880, Oseberg 1904. Das Oseberg-Schiff, 1903 auf einem Hof bei Tønsberg entdeckt, wurde in den 820er-Jahren im Südwesten Norwegens aus Eiche gebaut. Es trägt die reichsten Schnitzereien, rund 90 Prozent des rekonstruierten Schiffs sind Originalholz, und das Museum veranschlagt seine Besatzung auf 32 Mann: dreißig Ruderer, einen Steuermann und einen Ausguck. Das Gokstad-Schiff, um 890 gebaut und von Nicolay Nicolaysen aus dem „Königshügel“ bei Sandefjord ausgegraben, ist nach den Worten des Museums „das größte erhaltene Wikingerschiff der Welt“: das größte, das nahezu vollständig erhalten ist, denn die längeren Schiffe Haithabu 1 und Roskilde 6 sind nur in Teilen überliefert. Ruderbänke sind nicht erhalten, die Ruderer saßen daher wahrscheinlich auf Truhen. Tune wurde nie zerlegt und wieder aufgebaut, darum ist jeder Niet original.

Kannst du sie jetzt sehen? Noch nicht. Das alte Wikingerschiffsmuseum auf Bygdøy schloss 2021, damit direkt daneben das Museum der Wikingerzeit gebaut werden konnte. Oseberg wurde im September 2025 in den Neubau gebracht, danach Gokstad, Tune und die Schlitten aus Oseberg. Im November 2026 erklärt das Museum, es arbeite auf eine Eröffnung Ende 2027 hin, „auch wenn sich das Datum noch ändern kann“; seine FAQ nennen November 2027. Bis dahin zeigt sein Schwestermuseum, das Historische Museum im Zentrum von Oslo, Funde aus der Wikingerzeit, nach Angaben des Museums auch den originalen geschnitzten Schlangenkopf des Oseberg-Schiffs.
Die Skuldelev-Schiffe und Roskilde 6
Gegen Ende der Wikingerzeit wurden fünf alte Schiffe in zwei Phasen mit Steinen gefüllt und quer über die Fahrrinne des Roskildefjords bei Skuldelev versenkt, um den Seeweg nach Roskilde zu sperren. Archäologen umschlossen die Fundstelle mit einem Kofferdamm, senkten den Wasserspiegel schrittweise ab und gruben die Schiffe 1962 aus: ein Hochseehandelsschiff (Skuldelev 1), ein großes Langschiff (2), ein Küstenhandelsschiff (3), ein kleines Langschiff, teils aus wiederverwendetem Holz gebaut (5), und ein norwegisches Fischerboot (6). Die Teile, die man einst als eigenes „Schiff 4“ gezählt hatte, erwiesen sich als Teile von Skuldelev 2.
Alle fünf sind in der Wikingerschiffshalle in Roskilde ausgestellt, und originalgroße Nachbauten jedes Schiffs liegen im Museumshafen. Beim Ausheben dieses Hafens kamen 1997 neun Schiffe aus der Wikingerzeit und dem Mittelalter zutage, darunter Roskilde 6: Allein sein Kiel misst 32 Meter, und das Museum rekonstruiert eine Gesamtlänge von fast 36 Metern, „das längste bisher entdeckte Wikingerschiff“.
Haithabu und Ladby
Haithabu 1, 1953 von Tauchern im Hafen des Handelsplatzes bei Schleswig entdeckt und Ende der 1970er-Jahre geborgen, war mehr als elfmal so lang wie breit, laut dem Museum in Roskilde „das schmalste Langschiff, das je gefunden wurde“. Starke Verkohlung lässt vermuten, dass es als Brander endete, brennend in den Hafen geschickt. Es steht in der Schiffshalle des Wikinger Museums Haithabu. Das Ladby-Schiff auf Fünen, Mitte der 1930er-Jahre gefunden, ist nur noch als Reihen von Nieten und als Spuren im Boden erhalten, liegt aber noch immer in seinem Grabhügel, mit seinem eisernen Anker und der Ankerkette.
Schiffsbestattungen der Wikinger: Oseberg, Gokstad, Ladby und Salme
Die großen Schiffsgräber gehörten einer winzigen Elite; unser Leitfaden zu den Bestattungsriten der Wikinger stellt sie den vielen kleineren Bootsgräbern und den gewöhnlichen Bestattungen gegenüber. In jedem ausgegrabenen Fall wurde das Schiff an Land gezogen und an Land begraben oder verbrannt.
- Oseberg (834): zwei Frauen in einer Kammer hinter dem Mast, mit Schlitten, einem Wagen, Betten, Textilien, Küchengerät und Tieren.
- Gokstad (um 900): ein mächtiger Mann, mit drei kleinen Booten, einem Spielbrett und genug Schilden für das ganze Schiff; Undset zählte Knochen von mindestens 12 Pferden und 6 Hunden.
- Ladby (um 925): nach den Worten des Wikingermuseums Ladby Dänemarks einziges Schiffsgrab aus der Wikingerzeit, mit 11 Pferden und wahrscheinlich 4–5 Hunden.
- Salme (um 750): zwei Schiffe auf der estnischen Insel Saaremaa mit 41 Männern, viele mit Waffenverletzungen. Isotopenanalysen weisen, zusammen mit den Schwertern skandinavischen Stils (Price und Kollegen, Antiquity, 2016), auf die Mälarregion in Mittelschweden als wahrscheinlichste Heimat. Im größeren Schiff lagen 34 Männer in vier Schichten; der Uppsalaer Archäologe John Ljungkvist nannte es eine Bestattung nach einer Schlacht, die „viele Elemente einer Bootsbestattung trägt“.
- Gjellestad (gefunden 2018): Bodenradar machte ein rund 20 Meter langes Schiff in einem abgepflügten Grabhügel in Østfold, Norwegen, sichtbar. Ein Suchschnitt datierte das Grab zwischen das späte 8. und das frühe 10. Jahrhundert, und weil Pilze das Holz zerstörten, begann das Kulturhistorische Museum in Oslo im Juni 2020 mit der Ausgrabung, der ersten eines norwegischen Schiffsgrabs seit über einem Jahrhundert.
Es gibt einen einzigen schriftlichen Augenzeugenbericht. Ahmad ibn Fadlan, Gesandter des Kalifen al-Muqtadir bei den Wolgabulgaren 921–922, sah zu, wie die Rus einen toten Häuptling in seinem Schiff verbrannten, das aus dem Fluss auf einen Holzstoß gezogen worden war, zusammen mit einem versklavten Mädchen aus seinem Haushalt, das für den Ritus getötet wurde. Ein Rus neben ihm verspottete die arabische Sitte, die Toten in der Erde zu begraben, und:
„Und in Wahrheit, es verging keine Stunde, so war Schiff und Holz und Mädchen mit dem Verstorbenen zu Asche geworden.“
Ibn Fadlan, im deutschen Originalwortlaut von C. M. Frähn, Ibn-Foszlan’s und anderer Araber Berichte über die Russen älterer Zeit (St. Petersburg, 1823)
Über der Stelle wurde ein runder Hügel aufgeschüttet, mit einem Holzpfosten, der den Namen des Toten und den des Königs der Rus trug. Diese Rus waren Händler an der Wolga, weit von Skandinavien entfernt: eine Parallele, kein Bild der Sitten in der Heimat.
Wie navigierten die Wikinger?
Die meisten Fahrten folgten Küsten und Flüssen. Das Museum in Roskilde nennt die Hilfsmittel der „Navigation mit den Sinnen“: Landmarken und Steinwarten, Vögel, Wale und Strömungen, den Geruch von Land, den Stand der Sonne. Den klarsten Bericht aus erster Hand gibt Ohthere (Óttarr), ein Norweger aus Hålogaland, der König Alfred von Wessex im späten 9. Jahrhundert von seinen Reisen erzählte; sie wurden in den altenglischen Orosius aufgenommen:
„Dorthin, sagte er, könne man in einem Monat nicht segeln, wenn man nachts vor Anker gehe und jeden Tag guten Wind habe. Die ganze Zeit müsse man nahe am Land segeln.“
Ohtheres Fahrt von Hålogaland nach Sciringesheal in Südnorwegen, altenglischer Orosius, Buch I, Kapitel 1, §18, nach der englischen Übersetzung von Joseph Bosworth (1859)
Von Sciringesheal segelte er in fünf Tagen „zu dem Hafen, den man Haddeby nennt“, also nach Haithabu, dem Fundort des Langschiffs. Fahrten über das offene Meer waren etwas anderes. Die Landnámabók, das isländische Landnahmebuch, erzählt, wie Flóki Vilgerðarson das Land suchte, das später Island hieß:
„Floki nahm drei Raben mit auf See. Als er den ersten freiließ, flog dieser achteraus über den Steven; der zweite flog in die Luft hinauf und wieder zum Schiff zurück; der dritte aber flog geradewegs nach vorn über den Steven, in die Richtung, in der sie das Land fanden.“
Landnámabók, Teil I, Kapitel 2, nach der englischen Übersetzung von Thomas Ellwood, The Book of the Settlement of Iceland (Kendal, 1898)
Daher sein Name Hrafna-Flóki, „Raben-Flóki“. Ellwood vermerkt, dass es in einer anderen Abschrift heißt, Flóki habe die Raben vor der Abfahrt aus Norwegen geweiht; ob sie damit mit Odins Raben zusammenhängen, sagt der Text nicht.
Die Scheibe von Uunartoq. 1948 fanden Ausgräber in Uunartoq auf Grönland einen Teil einer runden Scheibe mit eingeritzten Linien, ins 11. Jahrhundert datiert und oft als Sonnenkompass gedeutet. Das Museum in Roskilde meint, die Wikinger hätten „wahrscheinlich einen Sonnenkompass benutzt“; Balázs Bernáth, Gábor Horváth und Kollegen (2014) halten „Maße und Einritzungen“ der Scheibe für diese Aufgabe für „alles andere als optimal“ und schlagen ein „Dämmerungsbrett“ vor: einen Sonnenkompass, kombiniert mit einem Horizontbrett für die Zeit, in der die Sonne nahe am Horizont steht.
Der Sonnenstein. Das Wort sólarsteinn, „Sonnenstein“, kommt in einigen mittelalterlichen isländischen Texten vor; Cleasby und Vigfússon (1874), die diese Stellen aufführen, hielten ihn für einen Magnetstein („ein Sonnenstein oder Magnetstein“), die Texte sagen also nicht, was für ein Stein es war. Physiker haben gezeigt, dass ein Kristall aus Islandspat eine verdeckte Sonne orten kann (Ropars und Kollegen, 2011), und ein solcher Kristall fand sich in einem elisabethanischen Schiff, das 1592 vor Alderney sank (Le Floch und Kollegen, 2013). Doch in einem wikingerzeitlichen Zusammenhang wurde nie ein Sonnenstein gefunden, und „ein eindeutig geeignetes Mineral wurde nicht gefunden“ (Museum in Roskilde). Eine mögliche Methode, keine belegte Praxis.
Schiffe im nordischen Mythos: Skíðblaðnir, Naglfar und Hringhorni
„Skídbladnir ist das beste der Schiffe und mit der größten Kunstfertigkeit gebaut; Naglfar aber ist das größte Schiff; Múspell besitzt es.“
Gylfaginning, Kapitel 43, nach der englischen Übersetzung von Arthur Gilchrist Brodeur (1916)
- Skíðblaðnir (Skidbladnir), von den Söhnen Ívaldis für Freyr gebaut, hat guten Wind, sobald sein Segel gehisst ist, trägt alle Götter mit ihren Waffen und lässt sich „wie ein Tuch“ zusammenfalten und in einen Beutel stecken (Gylfaginning 43; Grímnismál 43).
- Naglfar ist „aus den Nägeln toter Männer“ gemacht und wird bei Ragnarök vom Riesen Hrymr gesteuert (Gylfaginning 51); die Völuspá sagt in Strophe 50 nur „Naglfar ist los“ (Übers. Bellows).
- Hringhorni, das Schiff Baldrs, „das größte aller Schiffe“, lässt sich für seine Bestattung nicht von der Stelle bewegen, bis die Riesin Hyrrokkin es hinausstößt, „sodass Feuer aus den Rollen schlug“ (Gylfaginning 49).
Schiffe auf Bildsteinen und Schiffssetzungen
Die Bildsteine Gotlands, Gedenksteine meist ohne Inschrift, zeigen oft Schiffe unter Segel; das Museum in Roskilde merkt an, dass sie offenbar im 10. Jahrhundert aufhören. Der Stein von Tjängvide, vom Historischen Museum Stockholm auf 800–1099 datiert, zeigt ein bemanntes Schiff unter einem rautengemusterten Segel. Das Museum warnt davor, solche Segel wörtlich zu nehmen: Das Gitter könnte zusammengenähte Bahnen, Verstärkungsbänder oder Schmuck darstellen, und „es ist keineswegs sicher, dass die Bildsteine Wollsegel zeigen“. Unser Beleg-Index der Wikinger-Symbole behandelt das Schiff als Bildmotiv.

Schiffssetzungen sind Steine, die im Umriss eines Schiffs aufgestellt wurden. Ales stenar bei Kåseberga in Schonen, die größte erhaltene Schiffssetzung Schwedens, ist rund 70 Meter lang und 19 Meter breit und besteht heute aus 59 Steinen. Ein Bericht des schwedischen Reichsantiquaramts von 2013 fasst die Datierung zusammen: Radiokarbondaten und der Vergleich mit anderen großen Schiffssetzungen weisen sie der jüngeren Eisenzeit zu (400–1050 n. Chr.). Auch eine Datierung in die Bronzezeit wurde vorgeschlagen, unter anderem von der Ausgräberin Märta Strömberg, die ihre Ansicht später änderte. Ihre Ausrichtung auf die Sonnenwenden, auf die Hasse Alfredsson 1975 hinwies, hat „ausführliche Diskussionen“ ausgelöst (eigene Übersetzung).
Mythen über Wikingerschiffe: Schilde, Drachen und die Serie Vikings
Fuhren Wikingerschiffe mit Schilden an den Bordwänden? Nicht beim Rudern. Das Gokstad-Schiff wurde mit Schilden entlang beider Relingen bestattet, und Undset erklärte:
„… das Schiff war bei der Bestattung (wie auch zu anderen Zeiten, wenn es zu festlichen Anlässen geschmückt wurde) an beiden Seiten mit Schilden verziert worden; die Schilde scheinen abwechselnd gelb und schwarz bemalt gewesen zu sein. Solange das Schiff gerudert wurde, nahm man die Schilde ab, da sie so weit herabreichten, dass sie die Öffnungen für die Riemen verdeckten.“
Ingvald Undset, A Short Guide for the Use of Visitors to the Viking-Ship from Gokstad (Kristiania, 1898), S. 7

Schildleisten gab es durchaus: Bruchstücke einer solchen Leiste sind am obersten Plankengang von Skuldelev 5 erhalten. Auf Bildern, so das Museum in Roskilde, waren Reihen von 10–30 Schilden oder Riemen eine Konvention, um die Größe eines Schiffs anzuzeigen.
„Jedes Wikingerschiff war ein Drachenschiff.“ In den Quellen ist ein dreki das Kriegsschiff eines Häuptlings oder Königs, und unter den Funden zeigen nur wenige, etwa Oseberg und Ladby, Tierornamentik am Steven. „Drakkar“ ist ein französisches Wort des 19. Jahrhunderts.
„Wikingerbestattungen waren brennende Schiffe auf dem Meer.“ Jede ausgegrabene Schiffsbestattung fand an Land statt; das brennende Schiff stammt aus Baldrs Bestattung und von Snorris sagenhaftem König Haki, der „in heller Flamme brennend“ aufs Meer hinausgeschickt wurde (Ynglinga saga 27, Übers. Laing).
Die Fernsehserie Vikings (History, 2013–2020). Ihre Figur Floki ist „ein genialer Schiffbauer“, der „den Prototyp der neuen Generation von Wikingerschiffen entwirft und baut“ (Darstellerseite des Senders History). Das ist Fiktion: Schiffe mit Kiel, wahrscheinlich schon unter Segel, gab es um 750 bereits in Salme. Der Name erinnert an Hrafna-Flóki aus der Landnámabók.
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Folge den Schiffen in die Mythen und in die Gräber
Wikingerschiffe trugen die Toten ebenso wie die Lebenden, und auch die Götter hatten ihre eigenen Schiffe.
Häufige Fragen
Wie hießen die Schiffe der Wikinger?
Die Nordleute nannten Kriegsschiffe langskip, Langschiffe (nicht Langboote: Das englische Vorbild longboat bezeichnet das Beiboot eines späteren Schiffs), und benannten sie nach Größe und Rang: karfi oder Karve (eine kleinere Galeere), snekkja oder Snekke und skeið oder Skeid (schnelle Kriegsschiffe mit zwanzig bis dreißig oder mehr Räumen) sowie dreki, Plural drekar, ein Schiff mit Drachenkopf, das einem König oder großen Häuptling gehörte. Frachtschiffe waren der knörr (Knorr, Knarr), das hochseetüchtige Handelsschiff, und der byrðingr, ein Lastschiff. Das Wort Drakkar ist französisch und zuerst 1840 belegt.
Was ist der Unterschied zwischen Langschiff und Knorr?
Ein Langschiff war für den Krieg gebaut: lang, schmal und schnell, mit vielen Riemen und dazu einem Segel. Der Nachbau von Skuldelev 2 ist rund 30 m lang und 3,8 m breit, mit 60 Riemen und 65–70 Mann Besatzung. Ein Knorr war für Fracht gebaut: breit und tief, vor allem vom Segel angetrieben. Der Nachbau von Skuldelev 1 ist 15,8 m lang und 4,8 m breit, trägt rund 20 Tonnen und hat nur vier Riemen.
Wie lang war ein Langschiff der Wikinger?
Etwa 17 bis 36 Meter. Unter den Funden misst das kleine Langschiff Skuldelev 5 17,3 m, das große Langschiff Skuldelev 2 rund 30 m, Haithabu 1 rund 30,9 m und Roskilde 6, das längste bisher gefundene Wikingerschiff, rund 36 m. Die berühmten Grabschiffe von Oslo liegen dazwischen: Oseberg ist 21,5 m lang, Gokstad 23 m. Snorris Lange Schlange veranschlagt das Museum in Roskilde auf rund 43 m, doch diese Zahl stammt aus einer zwei Jahrhunderte später geschriebenen Saga, nicht aus einem Fund.
Hatten Wikingerschiffe Drachenköpfe?
Manche schon. In den Sagas ist ein dreki, ein Drache, das Kriegsschiff eines Königs oder Häuptlings mit einem Drachenkopf am Bug und einem Schwanz am Heck; so beschreibt Snorri das Schiff Rauds des Starken (Óláfs saga Tryggvasonar 87). Unter den Funden endet der Steven des Oseberg-Schiffs in einer geschnitzten Schlange, und Eisenspiralen am Bug des Ladby-Schiffs schmückten wahrscheinlich einen Drachenkopf.
Wie lange dauerte der Bau eines Wikingerschiffs?
Bei einem großen Langschiff monatelange Arbeit eines großen Teams. Das Wikingerschiffsmuseum in Roskilde brauchte 27.000 Arbeitsstunden in vier Jahren, um den 30 Meter langen Seehengst zu bauen, einen Nachbau von Skuldelev 2, und rund 40.000 Stunden einschließlich Teer, Eisen, Tauwerk und Segel. Nach seiner Schätzung hätten ein Schiffbaumeister, zehn Bootsbauer und eine große Mannschaft im Wald den Rumpf in sieben Monaten bauen können.
Wie schnell war ein Wikingerschiff?
Die Schätzungen der Museen für Nachbauten ergeben unter Segel im Schnitt 4–8 Knoten (7–15 km/h) und Höchstgeschwindigkeiten von 8–10 Knoten bei einem kleinen Handelsschiff (Skuldelev 3) bis rund 15–17 Knoten (28–31 km/h) bei Langschiffen (Skuldelev 5, Seehengst). Das Museum in Oslo veranschlagt für das Gokstad-Schiff bis zu etwa 11 Knoten. Über eine ganze Reise lag der Schnitt viel niedriger: 2003 brauchte der Knorr-Nachbau Ottar für eine Strecke von 189 Seemeilen sieben Tage, also 1,3 Knoten, weil er auf Wind warten musste.
Wie viele Menschen waren an Bord eines Wikingerschiffs?
Das hing vom Schiff ab. Die Museen schätzen 5–8 Mann Besatzung für das kleine Handelsschiff Skuldelev 3, 6–15 für das Hochseehandelsschiff Skuldelev 1, rund 30 für das kleine Langschiff Skuldelev 5, 32 für das Oseberg-Schiff, bis zu 67 für Gokstad und 65–70 für das große Langschiff Skuldelev 2. Roskilde 6, mit rund 36 m das längste bekannte Wikingerschiff, hatte wahrscheinlich 78 Ruderer.
Hängten die Wikinger Schilde an die Bordwände ihrer Schiffe?
Ja, aber nicht beim Rudern. Das Gokstad-Schiff wurde mit Schilden entlang beider Relingen bestattet, offenbar abwechselnd gelb und schwarz bemalt, und Ingvald Undsets Führer von 1898 erklärt, dass sie zum Rudern abgenommen wurden, weil sie die Riemenlöcher verdeckten. Bruchstücke einer Schildleiste sind an Skuldelev 5 erhalten. Reihen von Schilden auf Bildern waren außerdem eine Konvention, um die Größe eines Schiffs zu zeigen.
Wie navigierten die Wikinger ohne Kompass?
Vor allem nach Landmarken, Küsten, der Sonne, Vögeln, Walen und Strömungen, wie das Wikingerschiffsmuseum beschreibt. Ohthere erzählte König Alfred, dass die Küstenfahrt an Norwegen entlang nach Süden selbst bei täglich gutem Wind einen Monat dauerte, wobei man nachts ankerte und sich dicht am Land hielt. Die Landnámabók berichtet, dass Flóki Raben fliegen ließ, um Island zu finden. Die Scheibe von Uunartoq aus Grönland könnte ein Sonnenkompass sein, und Sonnensteine aus Islandspat hätten eine verdeckte Sonne orten können, doch beides bleibt umstritten: In einem wikingerzeitlichen Zusammenhang wurde noch nie ein Sonnenstein gefunden.
Wo kann ich heute echte Wikingerschiffe sehen?
Das Wikingerschiffsmuseum in Roskilde, Dänemark, zeigt die fünf Skuldelev-Schiffe und segelt mit ihren Nachbauten. Die Schiffe von Oseberg, Gokstad und Tune stehen im neuen Museum der Wikingerzeit in Oslo, das nach eigenen Angaben auf eine Eröffnung Ende 2027 hinarbeitet. Das Langschiff von Haithabu ist im Wikinger Museum Haithabu zu sehen, das Ladby-Schiff liegt in seinem Grabhügel auf Fünen, und das Nydam-Schiff steht auf Schloss Gottorf in Schleswig.
Quellen und redaktionelle Hinweise
Die englische Originalfassung dieses Leitfadens wurde im November 2026 geschrieben. Die Schiffsdaten sind die vom Museum, das den jeweiligen Fund besitzt, oder von seinen Ausgräbern veröffentlichten; Nachbauten sind gekennzeichnet. Mit „eigene Übersetzung“ gekennzeichnete Übersetzungen stammen von uns; die übrigen Zitate folgen den genannten gemeinfreien Übersetzungen, für diese Fassung aus dem Englischen ins Deutsche übertragen (Ibn Fadlan wird im deutschen Wortlaut von Frähn zitiert). Die Kapitel der Óláfs saga Tryggvasonar folgen Laing, sofern nicht anders angegeben.
- Museen: Wikingerschiffsmuseum Roskilde (die Skuldelev-Schiffe und ihre Nachbauten, Roskilde 6, Haithabu, Ladby, Segel, Navigation, Versuchsfahrten); Museum der Wikingerzeit, Oslo; Wikingermuseum Ladby; Wikinger Museum Haithabu; Historisches Museum Stockholm.
- Texte: Snorri Sturluson, Heimskringla, übers. von S. Laing (1844), mit dem altnordischen Text auf heimskringla.no; Gylfaginning, übers. von A. G. Brodeur (1916); Lieder-Edda, übers. von H. A. Bellows (1923); Landnámabók, übers. von T. Ellwood (1898); altenglischer Orosius, hrsg. und übers. von J. Bosworth (1859); Ibn Fadlan, deutsche Übersetzung von C. M. Frähn (1823); I. Undset, Führer zum Gokstad-Schiff (1898).
- Studien: R. Cleasby und G. Vigfússon, Icelandic-English Dictionary (1874); Trésor de la langue française, „drakkar“ (CNRTL); T. D. Price u. a., „Isotopic provenancing of the Salme ship burials in Pre-Viking Age Estonia“, Antiquity 90 (2016); B. Bernáth u. a., Proc. R. Soc. A 470 (2014); Ropars u. a., Proc. R. Soc. A (2011); Le Floch u. a., Proc. R. Soc. A (2013); M. Andersson u. a., Ales stenar i nytt ljus, UV Rapport 2013:80 (Riksantikvarieämbetet); M. Fauvelle u. a., PLOS One (2025), zum Hjortspring-Boot; L. Gustavsen u. a., „Gjellestad: a newly discovered central place in southeast Norway“, Antiquity (2020).
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